Das Chatten stößt insbesondere bei Kindern und Jugendlichen auf große Begeisterung. Das wissen aber auch pädophile Internet-Nutzer. Getarnt hinter harmlosen Nicknames geben sie sich in privaten Zwiegesprächen - eine Eigenschaft der Chat-Technologie - als gleichaltrig aus und belästigen Kinder und Jugendliche sexuell.
Derartige sexuelle Übergriffe auf Kinder in Chat-Rooms sind alltäglich, wie eine US-Studie belegt. Von 1000 befragten Teenangers weiblichen Geschlechts wurden 30 Prozent im Internet schon einmal sexuell belästigt. Jedes fünfte Kind wird zudem online zu sexuellen Handlungen aufgefordert.
Auch in Deutschland sind derartige Fälle keine Seltenheit, weiß Dennis Grabowski, naiin-Geschäftsführer und zuständig für die Internet-Beschwerdestelle der Einrichtung: "Wir sahen uns bereits mehrfach mit derartigen Fällen konfrontiert und raten den beunruhigten Eltern, Strafanzeige gegen die Täter zu erstatten. Unsererseits bemühen wir uns stets schnellstmöglichst in Zusammenarbeit mit den Chat-Betreibern die Daten der Täter zu sichern, um diese der Strafverfolgung zuzuführen."
Auch "Kinder-Chats" nicht sicher!
Oftmals treiben sich pädophile Nutzer in speziell für Kinder ausgewiesene Chats herum und suchen dort ihre Opfer. Zu diesen bauen sie dann systematisch ein Beziehung auf, versuchen persönliche Daten in Erfahrung zu bringen und drängen auf ein persönliches Treffen.
Wie ernst die Lage ist, zeigt ein Ermittlungserfolg der Schweizer Polizei. Deren Beamte haben 17 homosexuelle Pädophile im Alter von 28 bis 56 Jahren, die im Juli 2002 in einem Chat-Room sexuelle Kontakte zu Jungen im Schutzalter gesucht hatten, überführt. Die Polizeibeamten gaben sich dabei als 14-Jährige aus. Die 17 Männer wurden dann an Treffpunkten in Zürich, Basel und im Kanton Zug festgenommen, wo sie ihre vermeintlichen Opfer zu sexuellen Kontakten treffen wollten.
Auch die britische Regierung hat den Ernst der Lage erkannt und initiierte eine 1,5 Millionen Pfund teure Kampagne um über Chat-Risiken aufzuklären. Zudem wird in Großbritannien über die Einführung des so genannten "Internet Grooming" als Straftatbestand diskutiert. Gemeint ist damit unter anderem das "Heranzüchten" beziehungsweise "Pflegen" von Kontakten mit Kindern im Internet, wenn dies mit sexuellen Absichten erfolgt.
Wie Eltern ihre Kinder vor sexuellen Attacken im Internet schützen können erfahren Sie hier.
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