Der Handel mit Kinderpornografie im Internet findet unter anderem in geschlossenen Nutzergruppen statt. Die Ermittlung und Strafverfolgung der diesen Gruppen angehörenden Internet-Nutzer ist gemeint, wenn in den Nachrichten von der Sprengung von sogenannten Internet-Kinderporno-Ringen die Rede ist.
Die Mitglieder dieser geschlossenen Nutzergruppen, in dessen Rahmen vorwiegend der Tausch kinderpornografischer Materialen denn der kommerzielle Handel mit derartigem Material im Mittelpunkt steht, machen sich in der Regel entweder Diskussionsforen oder die "Chat"-Technologie zu Nutze.
Die Vorteile eines Internet-Chats liegen klar auf der Hand: Dank der Kommunikation in Echtzeit kann weltweit eine Vielzahl von Nutzern zeitgleich miteinander kommunizieren und interagieren. Auch das gewisse Maß an Anonymität ist vorhanden. Nutzer können sich ein Chat-Pseudonym wählen. Sie bleiben damit anderen Chat-Nutzern gegenüber weitgehend anonym.
Lediglich der Administrator ist in der Lage den jeweiligen Nutzer ohne großen Aufwand zu reanonymisieren - sprich dessen IP-Adresse zu ermitteln. Hinzu kommen die Möglichkeiten der Abschottung: In den Online-Chats ist es jedem Nutzer möglich einen eigenen sogenannten Chat-Room unter einem von ihm bestimmten Titel zu eröffnen.
Der Zugang kann dabei mit einem Passwort geschützt werden, so dass Gleichgesinnte unter sich bleiben können. D.h. die Aktivitäten in diesen Räumen sind für Nutzer, die nicht über das Passwort verfügen, nicht sichtbar.
Diese Eigenschaften begünstigten die Entwicklung von nationalen und internationalen Online-Chats zu Treffpunkten der Kinderschänder-Szene maßgeblich. Zu diesen Treffpunkten ist unter anderem auch der größte internationale Chat-Bereich, der "Internet Relay Chat" (IRC), zu zählen.
Jeder Nutzer kann dort einen eigenen Bereich - einen sogenannten "Kanal" - eröffnen. An manchen Tagen laufen auf diese Weise bis zu 20.000 IRC-Kanäle gleichzeitig, wobei die überwiegende Mehrzahl derer ausschließlich kriminellen Themen gewidmet ist: darunter Tier-Sex, Folter-Sex und Sex mit Kindern.
Der harte Kern der internationalen Szene der Kinderporno-Händler trifft sich hier, um Erfahrungen, Bilder, Videos aber auch Kinder zu tauschen. Man verabredet sich, macht einen "Kanal" auf, tauscht und verschwindet wieder.
Neben den kriminellen Usern, die die Online-Chats dazu nutzen, um ihren Bestand an kinderpornografischen Materialien gegenseitig zu ergänzen, gibt es auch User, die sie zu kommerziellen Zwecken verwenden - so z.B. zur Verabredung zum aktiven sexuellen Missbrauch von Kindern gegen Bezahlung oder zum Verkauf kinderpornografischer Dateisammlungen.
Ein Ermittlungserfolg internationaler Strafverfolgungsbehörden gegen "Wonderworld" - einem solchen IRC-Kanal - verdeutlicht den hohen Grad des Missbrauchs der Internet-Chats durch die Kinderporno-Szene.
Die Mitglieder dieses IRC-Kanals diskutierten und scherzten über die Vergewaltigung von Minderjährigen. Zeitgleich tauschten sie Tausende von kinderpornografischen Bildern untereinander aus. Das Netzwerk schien bombensicher. Zugang erhielt nur, wer mindestens 10.000 Bilddateien missbrauchter Kinder vorweisen konnte.
1998 gelang es trotz dieser Sicherheitsvorkehrungen unter der Leitung der britischen "National Crime Squad" in 19 Staaten zeitgleich Hausdurchsuchungen durchzuführen. Ziel der unter dem Namen "Operation Cathedral" bekannten Polizeiaktion waren die 150 Mitglieder des IRC-Kinderpornorings.
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