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ONLINE-DSCHIHAD: DAS WEB ALS BASIS FÜR AL-QAIDA-OPERATIONEN


Hauptbasislager "Cyberspace"
 
Einem Augenzeugenbericht des bin-Laden-Biografen Hamid Mir zufolge waren die Terroristen rund um das Terror-Netzwerk Al-Qaida bereits im November 2001 computertechnisch vom Feinsten ausgestattet. "Jedes zweite Al-Qaida Mitglied trug seinen Laptop zusammen mit einer Kalashnikov unter dem Arm", schildert Mir seine Beobachtungen während des Zusammenbruchs des Taliban-Regimes in Afghanistan. Damit verlor das Netzwerk um den Terrorfürsten Osama bin Laden seinen Zufluchtsort und es ging ins Exil. Auf den Bildschirmen der Laptops: Fotos des Flugzeugentführers vom 11. September 2001, Mohammed Atta.

Fast vier Jahre später, ist Al-Qaida die erste Terrorbewegung in der Geschichte dieses Planeten, die ihr Hauptbasislager ins Cyberspace verlagert hat. Mit Hilfe von Laptops und DVDs haben es junge PC-versierte Dschihad-Anhänger in geheimen Verstecken und in Internetcafes geschafft, die Trainings-, die Kommunikations-, die Planungs- und Propagandaeinrichtungen des Netzwerks wieder aufzubauen, die es in Afghanistan verloren hatte.

Al-Qaida-Selbstmordattentäter und Sanitätereinheiten im Irak sind auf das Internet für's Training und taktische Unterstützung routinemäßig angewiesen. Sie verlassen sich dabei auf die Anonymität und die Flexibilität des Internets, um straffrei operieren zu können. In Ägypten und Europa sind Terrorzellen, die sich der Al-Qaida angeschlossen und sich mit der Planung von Bombenanschlägen befasst haben, in hohem Grade auf das Internet angewiesen.

Westliche Geheimdienste und Terrorspezialisten sind sich sicher, dass die "globale Dschihadbewegung, die sowohl von Al-Qaida-Anhängern als auch zunehmend von verschiedenen aus dem Nichts entstandenen Gruppierungen geführt wird", zu einem "internetbasierten" Phänomen geworden ist. Dieser Ansicht ist auch Dennis Pluchinsky, Experte des US-Außenministeriums. Durch die Eigenheiten des Internets, könne die US-Regierung bislang keinen signifikanten Erfolg bei der Unterbindung dieser Online-Aktivitäten verzeichnen, so Pluchinsky.

Unter anderem errichteten Al Qaida & Co. eine riesige, dynamische und von "Experten" betreute Online-Bibliothek mit Trainingsmaterial. Fragen der Nutzer werden in Diskussionsforen und Chatrooms beantwortet. Die Sammlungen umfassen Bombenbauanleitungen, Anweisungen zur Herstellung und Verwendung von Giften und Chemikalien, Tipps zum Einschleusen in den Irak (über Syrien), Kampftechniken für den Kampf gegen US-Soldaten sowie Hinweise zur örtlichen Orientierung anhand der Sterne. Diese Materialien kursieren im Netz auf Arabisch, in Urdu, in Pashto und in anderen Stammsprachen der Dschihad- Anhänger.


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