Kampf gegen Kinderpornografie nicht auf Löschquoten reduzieren!

Kampf gegen Kinderpornografie nicht auf Löschquoten reduzieren!


2010-09-02 - Löschen vor Sperren?, Löschen und Sperren?, Löschen statt Sperren? – Nachwievor diskutieren Politik, Wirtschaft und Netzgemeinde mit jeweils kontroversen Standpunkten, wie mit kinderpornografischen Inhalten im Internet verfahren werden sollte. Während sich die Debatte vorwiegend darauf konzentriert, wie die sogenannte Löschquote hinsichtlich kinderpornografischer Websites weiter verbessert werden kann, geht dies der gemeinnützigen Nichtregierungsorganisation "no abuse in internet" (naiin) nicht weit genug: "Bei der derzeitigen Debatte über die Bekämpfung von Kinderpornografie im Internet sollte es vor allem um die Frage gehen, wie Täter und Opfer schnellstmöglich identifiziert werden können", fordert Rene Zoch, 2. Vorsitzender von naiin.

Nur wenn Täter schnell gefasst würden, könnten sie von weiteren strafbaren Handlungen abgehalten werden, so Zoch. "Und nur, wenn die Identität der Opfer schnell ermittelt werden kann, können diese geschützt beziehungsweise aus einer möglicherweise noch andauernden Gefährdungslage befreit werden", betont der stellvertretende naiin-Vorsitzende. Hinzu kommt, dass das bloße Löschen kinderpornografischer Inhalte laut naiin nur bedingt zielführend ist: So ist es Betreibern kinderpornografischer Websites möglich, ihre Seiten nach Löschung oder Sperrung mit nur wenigen Klicks binnen kürzester Zeit unter einer neuen Adresse (URL) wieder online zu stellen. Schnell kann die neue Adresse der Website anschließend über Social Networks, einschlägigen Diskussionsforen oder Kurznachrichtendiensten in der Szene verbreitet werden.

"Auch deshalb ist es besonders wichtig, dass neben dem Löschen immer auch direkt die Strafverfolgung einsetzt", erläutert Rene Zoch die Strategie, die naiin seit über zehn Jahren bei der Bekämpfung kinderpornografischer Inhalte im Internet verfolgt. Ein weiteres Augenmerk sollte in diesem Zusammenhang darauf gelegt werden, dass die Strafverfolgung auch in allen Ländern der Welt hinreichend funktioniert. "Dem ist gegenwärtig nicht so", bedauert Zoch und fordert: "Vor allem sollte der Druck auf Staaten erhöht werden, die in diesem Bereich noch Nachholbedarf haben. Hierbei ist neben dem Bundesjustizministerium, Bundesinnenministerium und Bundesfamilienministerium vor allem auch das Auswärtige Amt gefragt."

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